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Wie man gute Gespräche auf Augenhöhe führen lernt
Wie aus einer normalen Unterhaltung ein Streit entsteht
Es beginnt ganz harmlos ein Gespräch über etwas Alltägliches und plötzlich kippt es. Da ist ein Wort gefallen, das uns getriggert hat. Da gab es eine Geste, ein Augenrollen. Und auf einmal geht es gar nicht mehr das Thema, das man gerade besprochen hat. Sondern es geht den anderen, sein Verhalten, die Dinge, die ihr alle falsch macht. Das, worüber uns schon ewig geärgert haben und was wir einfach nur geschluckt haben. Alles das wird auf einmal hervorgeholt.
Und was macht der andere? Genau das Gleiche. Er fängt an, sich zu verteidigen. Und die einfachste Variante, sich zu verteidigen, ist der Angriff des anderen. Er schießt also zurück und schon haben wir den besten Streit.
Die weiße Leinwand als Methapher für den Start in eine gelungene Kommunikation
Stellen Sie sich die Kommunikation zwischen zwei Menschen wie eine weiße Leinwand vor. Am Anfang ist sie leer, beide Partner stehen vor der Leinwand und jeder bekommt einen Pinsel in die Hand und hat Farbtöpfe, in die er greifen kann, um die Pinsel dort einzutauchen. Und jeder beginnt zu malen. Und das sieht so lange harmonisch aus, wie wir es schaffen, etwa im gleichen Anteil diese Leinwand zu bemalen.
Das klappt natürlich nicht, wenn einer einen Tuschepinsel in der Hand hat und der andere meint, er müsste einen Kleisterpinsel nehmen, diese großen Bürsten, dann kann es kein harmonisches Bild mehr werden. Das heißt auch, wir müssen immer schauen im Gespräch, wo ist gerade der andere? Wie geht es ihm gerade? Malt er genug? Ist es wirklich ein Austausch zwischen uns beiden oder ist einer total dominant?
Sich selbst gut wahrnehmen, aber den anderen auch
Wir dürfen uns selbst nicht verlieren. Wir müssen uns selbst in allen Ebenen wahrnehmen und das in einem Dialog auch zum Ausdruck bringen.
Was macht gerade mein Körper? Welche Gefühle habe ich gerade? Was sind meine Gedanken? Und schon hier haben wir Schwierigkeiten.
Wir haben es nie gelernt, zwischen all diesen Dingen wirklich gut zu unterscheiden. Wir verwechseln die Ebenen und wir tun so, als wenn wir mit den Gedanken fühlen, was wir aber nicht tun. Ein Gefühl ist etwas Körperliches, eine Enge in der Brust, ein Herzklopfen, Schweißausbruch, Kälte, die wir fühlen, das sind rein körperliche Empfindungen.
Das, was wir dann Gefühle nennen, die Grundgefühle wie Angst, Freude, Liebe, die sind wieder auf einer ganz anderen Ebene. Und die Gedanken dazu sind eigentlich die Gedanken über den Körper und über die Gefühle. Das ist die Ebene ganz oben. Und bei der bleiben wir oft. Und aus dieser Gedankenebene heraus entstehen auch die Vorwürfe. Warum ist das so? Wir haben es nie gelernt, uns ehrlich zu zeigen, in uns los ist.
In der Kindheit lernen wir Anpassung und Verleugnen die Selbstwahrnehmung
Wir haben es von Anfang an, schon von der Kindheit an, oft unterdrücken müssen, das zu zeigen, was wirklich sind. Wir haben gelernt, uns gut anzupassen und wir haben gelernt zu kämpfen, uns selbst zu behaupten.
Wenn Sie das nächste Mal das Gefühl haben, eine Situation beginnt zu kippen, dann halten Sie kurz inne. Fragen Sie sich für sich, was fühle ich gerade in meinem Körper? Welche Gefühle auf der seelischen Ebene sind damit verbunden? Und was erzählt mir gerade mein Kopf dazu?
Der Kopf erzählt oft Annahmen über das, was der andere tun oder denken würde, ohne dass wir es ganz genau wissen.
Ehrliches Mitteilen beginnt nie beim anderen, sondern bei uns selbst
Ehrliches Mitteilen beginnt nicht beim anderen. Ehrliches Mitteilen beginnt immer in uns selbst. Und ehrliches Mitteilen verlangt vom anderen zuzuhören. Zuhören, ohne zu kommentieren, ohne zu bewerten, einfach nur aufzunehmen, was ist gerade im anderen los? Und dann werden die Rollen getauscht.
Der, der gesprochen hat, hört jetzt aktiv zu. Aktiv zuhören heiß Ich schaue den anderen an, ich nehme ihn wahr, aber ich kommentiere es nicht. Und dann haben wir die Chance, dass es wirklich ein Austausch ist, dass wir beide die Leinwand bemalen, dass am Ende ein schönes Bild entsteht, an dem wir beide Freude haben.
Erlernen Sie das ehrliche Mitteilen und gute Kommunikation in der Praxis Seelenbar
Wenn Sie das ehrliche Mitteilen erlernen wollen, lade ich Sie gern in meine Praxis ein, zu einem Kennenlerngespräch und freue mich auf Sie.
Aus der Praxis
Warum wir im Gespräch so schnell bei Vorwürfen landen, und wie wir lernen, wirklich bei uns zu bleiben.
Der Moment, in dem alles kippt
Sie kennen das vielleicht. Ein Gespräch beginnt ruhig. Vielleicht geht es um Geld, um Haushaltsaufgaben, um eine Entscheidung, die ansteht. Und schnell ist man nicht mehr beim Thema, man ist beim anderen. Bei dem, was er falsch macht. Bei dem, was sie schon wieder vergessen hat.
Aus einem Gespräch ist ein Vorwurf geworden.
Aus „Ich bin erschöpft“ wird „Du hilfst mir nie.“ Aus „Ich mache mir Sorgen ums Geld“ wird „Du gibst immer alles aus.“ Aus einem inneren Erleben wird ein Angriff nach außen.
Das ist kein Zeichen von schlechtem Charakter. Es ist ein zutiefst menschlicher Reflex. Aber es ist auch einer, den wir verändern können, wenn wir verstehen, was da eigentlich passiert.
Die gemeinsame Leinwand
Stellen Sie sich vor: Jedes Mal, wenn zwei Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entsteht vor ihnen eine weiße Leinwand.
Beide haben einen Pinsel in der Hand. Beide dürfen malen. Das Bild, das am Ende entsteht, gehört keinem allein, es ist das Ergebnis von zwei Menschen, die gemeinsam etwas schaffen.
Die Kunst besteht darin, dass beide etwa gleich viel Raum einnehmen. Dass keiner den anderen übermalt. Dass keiner mit einem übergroßen Kleisterpinsel arbeitet, während der andere kaum wagt, seinen zarten Tuschepinsel anzusetzen.
Wenn diese Balance kippt, ist es verlockend zu sagen: „Du lässt mir keinen Platz!“ Aber das ist schon wieder ein Vorwurf. Eine ehrlichere Aussage klingt anders:
„Ich bemerke gerade, dass du auf unserer gemeinsamen Leinwand mehr Raum einnimmst. Und ich frage mich, ob ich vielleicht lernen darf, meinen Pinsel mutiger zu schwingen.“
Das ist kein Rückzug. Das ist Selbstwahrnehmung, und die ist der Anfang von echter Verbindung.
Drei Ebenen, die wir ständig verwechseln
Ehrliche Kommunikation beginnt damit, dass wir unterscheiden lernen, was in uns vorgeht. Denn wir leben gleichzeitig auf drei Ebenen.
- Die Körperebene. Hier spüren wir Empfindungen, Druck in der Brust, Wärme im Gesicht, ein Ziehen im Bauch. Das sind keine Gefühle, das sind körperliche Signale.
- Die Emotionsebene. Hier erleben wir die Grundgefühle: Freude, Trauer, Angst, Wut, Scham, Ekel, Überraschung. Diese Gefühle sind echt und wichtig, aber sie sind nicht wir.
- Die Gedankenebene. Hier entstehen Interpretationen, Annahmen, Bewertungen. „Er meint es nicht ernst.“ „Sie respektiert mich nicht.“ „Das wird nie besser.“
Das Problem: Wir vermischen diese Ebenen ständig.
Wir sagen „Ich fühle, dass du mich nicht siehst“, aber das ist kein Gefühl. Das ist ein Gedanke, oft verbunden mit Traurigkeit oder Angst. Wir sagen „Ich fühle Kopfschmerzen“, aber Kopfschmerz ist eine Körperempfindung, kein Gefühl.
Sobald wir aufhören, unsere eigenen Ebenen richtig zu erkennen, verlieren wir uns, und landen beim anderen, statt bei uns zu bleiben.
Wenn wir ehrlich mitteilen, lernen wir, diese drei Ebenen zu unterscheiden.
Wir sind nicht unser Körper, nicht unsere Emotionen, nicht unsere Gedanken – wir erleben sie nur.
Und wir lernen, dissoziiert, also leicht getrennt vom Erlebten, darüber zu sprechen.
Wie ehrliches Mitteilen klingt, ein Beispiel aus der Praxis
In meiner Arbeit begleite ich manchmal Menschen, die miteinander in Konflikt geraten sind, manchmal Paare, manchmal Mütter und Töchter, manchmal Kollegen. Und immer wieder erlebe ich denselben Moment: Kaum wird es emotional, verlässt jemand das eigene Bild auf der Leinwand und fängt an, die Striche des anderen zu übermalen.
Was dann hilft, ist ein einfacher Satz als innere Orientierung:
„Was spüre ich gerade in meinem Körper? Was fühle ich? Was denkt mein Kopf?“
Ein Gespräch über Geld könnte dann so klingen:
„Ich spüre Anspannung in meiner Brust. Ich fühle Angst. Mein Kopf denkt gerade, dass du mir vielleicht nicht mehr vertraust.“
Und der andere hört einfach zu. Kein Verteidigen, kein Erklären, kein Gegenangriff. Nur Präsenz.
Das verändert alles. Aus einem Vorwurf wird eine Mitteilung, aus Distanz entsteht Nähe, aus einem Streit wird ein echtes Gespräch.
Warum fällt uns das so schwer?
Viele von uns haben in der Kindheit nicht gelernt, bei sich zu bleiben. Wir haben gelernt, Gefühle zu verbergen, um geliebt zu bleiben. Wir haben gelernt, dass Schwäche gefährlich ist, und dass Angriff die beste Verteidigung ist.
Diese alten Muster sitzen tief. Sie sind keine Fehler, sie waren einmal sinnvoll. Aber sie brauchen heute nicht mehr die Führung zu übernehmen.
Ehrliches Mitteilen ist deshalb keine Technik, die man einmal lernt und dann beherrscht. Es ist eine Haltung, die man immer wieder übt, im Gespräch mit dem Partner, mit der Mutter, mit dem Kollegen, mit sich selbst.
Ein erster Schritt zum ehrlichen Mitteilen
Wenn Sie das nächste Mal in einem Gespräch merken, dass Sie beim anderen gelandet sind und aus dem Mitteilen ein Vorwurf wird, halten Sie kurz inne.
Fragen Sie sich: Bin ich noch auf meiner eigenen Leinwand? Was spüre ich gerade wirklich? Was fühle ich? Was denkt mein Kopf, und ist das eine Tatsache oder eine Interpretation?
Diese drei Fragen können einen Moment des Innehaltens schaffen, der alles verändert.
Wer tiefer eintauchen möchte: Die Methode des ehrlichen Mitteilens wurde von Gopal Klein ausgearbeitet und in seinem Buch beschrieben. Übungsgruppen gibt es in verschiedenen Städten, auch in Gerwisch bei Magdeburg.
Ehrliche Kommunikation lernen, in der Therapie und darüber hinaus
In der Praxis Seelenbar begleite ich Menschen, die spüren, dass ihre Art zu kommunizieren mehr trennt als verbindet. Manchmal liegt das an alten Verletzungen, die in jedem Gespräch mitschwingen. Manchmal reicht schon ein kleiner Impuls von außen, um alte Muster zu erkennen und loszulassen.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie in Gesprächen immer wieder an dieselben Grenzen stoßen, freue ich mich auf ein erstes Kennenlernen.
Praxis Seelenbar kennenlernen
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Die Praxis Seelenbar ist an drei Standorten für Sie da – in Gerwisch bei Magdeburg, Rheinsberg und Leverkusen.